Auszug aus dem Doctrina 2020 Konzept.
Das vollständige Dokument finden Sie hier:

Doctrina 2020 Konzept

Digitale Bildung

Die digitale Transformation wird unsere Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten geradezu herausfordern. Sie hält längst Einzug in das Berufsleben und wird unser Verständnis von digitaler Bildung und Arbeit langfristig prägen. Auch wenn die Digitalisierung bereits gestartet wurde, ist ihr Leistungsvermögen im Bildungsbereich längst nicht ausgeschöpft.

In der Geschäftswelt und dem Privatbereich werden seit Jahren beeindruckende digitale Geschäftsmodelle entwickelt und implementiert. Der Bildungsbereich in Deutschland bleibt weitestgehend unangetastet. Dabei sind gerade hier die Entwicklungsoptionen und ihre Auswirkungen auf die künftigen Berufsbilder derart massiv, dass einerseits nicht nur versäumt wird das enorme Potential des Wissenstransfers zu erkennen, sondern zusätzlich die Auswirkung der Bildung auf bestehende wie neue Berufe und Branchen verkannt wird.

Um den Weg der Digitalisierung vollumfänglich zu beschreiten, bedarf es mehr als der technischen Umsetzung, also dem ersten Schritt im Gesamtprozess. Eine ganzheitliche Ausrichtung, die Aussicht auf einen tiefgreifenden Impact, ist unabdingbar.

Die Schwächen

Digitale Bildung - alte HefteEin Schüler, der mit ca. 25-30 Mitschülern gleichzeitig unterrichtet wird, kann kaum in seinem individuellen Lerntempo berücksichtigt werden. Einerseits verläuft der Unterricht zu schnell, für eine andere Gruppe wiederum jedoch zu langsam. Auch individuelles Vorwissen kann nicht berücksichtigt werden. Individuellen Wünschen, Themen auszubauen oder weniger zu behandeln, kann nicht entsprochen werden. Der Stundenplan schreibt vor, wann der Lernende für ein bestimmtes Thema Interesse haben muss. Die Zeit um durch Nachfrage Unterstützung vom Lehrer zu erfahren ist knapp und immer zeitlich begrenzt. So auch die Nachfrage beim eigenen Tischnachbarn, die vom Lehrer häufig unterbunden wird.

Anstatt die Potentiale des einzelnen Schülers zu nutzen und ihn sich entfalten zu lassen, werden ihm fremdbestimmte Inhalte diktiert. Dieser Zwang verursacht nur selten ein großes Interesse für den Lernstoff und verhindert dadurch ein permanentes Behalten des Gelernten. Kreativität lässt sich also nicht schulen, aber durch Freiheit entfalten. G8 hat Schülern währenddessen einen erheblichen Nachteil eingebracht: weniger Freizeit und einen volleren Terminkalender als so manch Berufstätiger.

Betrachtet man den Unterricht aus der Perspektive eines Lehrers, so beginnt die Arbeit schon weit vor der Unterrichtsstunde. Der Aufwand für die Vorbereitung ist enorm. Themen richten sich nach Lehrplänen. Das Thema der nächsten Stunde muss didaktisch erschlossen und geplant werden. Materialien und Quellen müssen gesichtet und ausgewählt, Arbeitsblätter erstellt und vervielfältigt werden. Zusätzlich bedürfen Themen zur Umsetzung zwischen den einzelnen Klassen eines Jahrgangs Koordination.

Die Nachbereitung der Stunde nimmt häufig im Gesamtarbeitsvolumen den größten Teil ein. Tests, Klassenarbeiten und Klausuren werden einzeln gesichtet, korrigiert und benotet. Selbiges gilt unregelmäßig für Arbeitsmappen und Hefte. Dabei werden Fehler und Arbeitsverhalten der Schüler analysiert und Rückmeldungen sowie Hilfestellung erarbeitet.

Neue pädagogische Herausforderungen

Lehrkräfte werden durch gesellschaftliche Veränderungen stetig mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Ein Beispiel hierfür ist die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, mit dem Ziel der Inklusion. Waren zuvor in Deutschland Menschen mit Behinderungen in speziellen Förderschulen unterrichtet worden, so ist es nun erklärtes Ziel auch diese Schüler in allgemeinen Schulen zu unterrichten. Daraus ergibt sich, dass die individuellen Anforderungen der einzelnen Schüler an den Lehrer und den Unterricht enorm ansteigen. Die Lehrer stehen vor der Herausforderung ihren Unterricht weiter auszudifferenzieren und zu individualisieren. Um dieser gestiegenen Anforderung nachkommen zu können, vervielfacht sich der Aufwand für die Unterrichtsvorbereitung.

Auch fremdsprachige Schüler, wie bspw. die der europäischen Flüchtlingskrise seit 2015, stellen die Lehrer vor die besondere Aufgabe, Schülern deren Sprache sie nicht sprechen, Wissen zu vermitteln oder allgemein in die Gesellschaft zu integrieren.

Wie kann aber ein Schüler unterrichtet werden, der die Unterrichtssprache nicht versteht und der lateinischen Schrift nicht mächtig ist? Vorteilhaft wären zwar Lehrer, die mit dem Schüler in ihrer Muttersprache kommunizieren könnten. Doch eine derartig große Anzahl von Lehrkräften ist in Deutschland nicht verfügbar. Hierbei kann die Digitalisierung helfen.

Zertifikate

Doch gleich wie viele Videos gesehen, wie viele Apps erforscht und wie viele Bücher gelesen wurden: der neu gewonnene Wissensstand lässt sich nicht nachweisen. Erst durch kostenintensive Zertifizierungen (akkreditierter) Institutionen, an die meist ein Seminar oder eine Schulung vor Ort geknüpft ist, wird die Kenntnis um das Thema bewiesen und akzeptiert.