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Koalition statt Wettbewerb

Vom gefühlten Klassenbesten zum Versetzungsgefährdeten. Progressivere Länder entwickeln weltumspannende Digitalsysteme. Auffällig ist der stetige Bodenverlust deutschen Know-hows und der Bodengewinn dynamischer Newcomer aus Asien und der Big Player aus den USA. Und dann sehen wir auf der anderen Seite wiederum die aufstrebende Innovationskraft des Handwerks. Deutschland ringt mit sich selbst.

Technischer Fortschritt kann weder behindern, geschweige verhindert werden. Aber, wie viel Risiko kann akzeptabel sein, um es auf den Gipfel zu schaffen und wie viel Sicherheit ist nötig, um nicht in den Abgrund zu stürzen, wenn in Deutschland unisono die voreilige Meinung vertreten wird, dass es meist nur IT-Spezialisten bedarf, die digitale Transformation im Land zu managen?

Dieser Artikel wirft einen optimistischen, plausiblen und dennoch fordernden Blick auf die Zukunft von Betrieben.

Allianz statt Konkurrenz

War und ist der Wettbewerb um Marktanteile Ansporn und treibende Kraft für die eigene Unternehmenskreativität und -dynamik, wird in Zukunft seine Rolle verblassen und letztlich als Gradmesser verschwinden. Dieser Gedanke mag geradezu Widerspruch und Opposition provozieren. Jeder Betrieb ist angehalten immer zeit- und kostenintensivere Akte vorzuhalten: HR-Management, Buchhaltung, Einkauf und Vertrieb, Marketing… Es liegt nahe die Frage nach einer praktikablen Entflechtung zu stellen: Die Trennung harter von weichen Skills. Die Bündelung des Handwerklichen und die Delegation des Administrativen. Hierbei werden den Kammern (HWK und IHK) eine besondere Rolle zuteil, wenn sie ihre Mitglieder dabei unterstützen, sich auf das Wesentliche ihrer Professionen zu konzentrieren.

Betriebe entlasten

Wie sehe dieser Support möglicherweise aus?

Ein Vorschlag: Kammermitglieder gleichen, artverwandten oder ergänzenden Gewerks vereinen sich in einer Holding in Form einer Kapitalgesellschaft oder einer Genossenschaft und outsourcen…

  • Recruiting und HR-Management
  • Einkauf
  • Vertrieb
  • Marketing
  • Buchhaltung
  • Schulungen und Weiterbildungen
  • Steuerrechtliche Aufgaben

…an ihre hiesige Kammer. Die Kammer übernimmt also alle Verwaltungsaufgaben der Betriebe. Der Wegfall des Wettbewerbs setzt Zeit frei, mobilisiert die eigene und fremde Kreativität, erzeugt neue Dynamiken, treibt gemeinsame Entwicklungen und Ideen voran und nutzt freigewordene Ressourcen zur Weiterentwicklung ihrer Profession.

Warum die Kammern?

Weil sie die Voraussetzungen zur Beherrschung dieser Aufgabe nicht erst erfüllen muss. Die Kammern bieten bereits passende Beratungen und Dienstleistungen an. Hinzu kommt die wichtige Aufgabe der Kammern, hier wunderbar in ihren Selbstdarstellungen beschrieben:

„Die Mitglieder haben sich darauf verständigt, ihre Ressourcen zu bündeln und neue Formen der Zusammenarbeit zu erproben. Auf diese Weise soll die Arbeit der Handwerkskammern effizienter und effektiver werden.“ [1]

und

„Hier sind sie [Anm.: Die IHKs] verankert und wissen, was die Wirtschaft bewegt. Gemeinsam mit ihren Mitgliedsunternehmen übernehmen sie Verantwortung in ihren Regionen und tragen dazu bei, die Voraussetzungen für Wohlstand und Wachstum zu verbessern.“ [2]

Blick in die Zukunft

In der mittel- und langfristigen Unternehmensausrichtung entscheidet die rationale und klare Sicht auf eine Bewegung, eine Tendenz, einem Trend letztendlich über Erfolg oder Misserfolg. In der Evolution der Wirtschaft bestehen überwiegend jene, die sich weitsichtig und früh genug auf Trends einlassen und sich organisch den Veränderungen anpassen. Technischer Fortschritt kann nicht verhindern werden. Sich aber einen Trend zunutze machen, birgt Chancen und birgt Risiken. Und mehrere können gemeinsam Gelegenheiten anvisieren, an die sich einzelne Unternehmer nicht heranwagen würden und Risiken breit verteilen, um das Verlustrisiko zu entschärfen.

Die Einzelunternehmen gründen die Holding zu gleichen Teilen. Zu gleichen Teilen tragen sie das Risiko und zu gleichen Teilen verteilen sie Kosten, Verluste und Gewinne. Substanz der Holding sind Unternehmen desgleichen und artverwandten Gewerks.

Alle Leistungen werden aus einer Hand und zentral angeboten, haben eine zentrale Verwaltung, einen gemeinsamen Mitarbeiterpool, eine zentralgeführte Logistik, zentralen Einkauf, zentralen Vertrieb und Marketing und… einen eigenen, gemeinsam getragenen Inkubator/Accelerator. 20, 50, 100 oder 1.000 Einzelunternehmer können in einer Holding anders performen, produktiver wirtschaften, besser steuern, sich effektiver angleichen und Prozesse anpassen.

Neue Systeme verlangen nach neuen Philosophien. In der Wissensökonomie sind neue Ansätze gefragt. Hierarchische Konzepte des Industriezeitalters entsprechen weder den gestiegenen Erwartungen der Menschen noch den Marktanforderungen an innovative Unternehmen. Zwar soll nicht bestritten werden, dass grundsätzliches, Ideen und Innovationen Ausdruck der Individualität und Kreativität einzelner Personen sind; die kollektive Intelligenz einer Gruppe darf dennoch nicht unterschätzt werden, auch wenn Gustave le Bons Zitat „In der Masse sinkt der Verstand mit der Anzahl der Versammelten“ den Widerspruch sucht. Eine moderne Infrastruktur ist die unbedingte Grundlage erfolgreicher Organisationen und Unternehmen, denn am Ende eines Denkprozesses wird die Formulierung einer Idee, einer Innovation oder die Lösung eines Problems erwartet. Am Anfang eines Denkprozesses steht jedoch die Begabung eine Sache zu identifizieren und die Fähigkeit ihr einen Namen zu geben.

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